Donnerstag, 3. Oktober 2013

Tag der Einheit - die Verwandten

hmmm ... nachgedacht.

Feiertag. Tag der DEUTSCHEN Einheit.
Meine Verwandten väterlicherseits stammten aus der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, abgekürzt DDR.
Zusammen mit einem Freund hatte mein Vater
in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Zonengrenze durch ein Schlupfloch des Stacheldrahts überquert, bei Probstzella im Dickicht des Thüringer Waldes, nur einen Rucksack mit dem Nötigsten dabei.
Die Enge, das Wissen eingesperrt zu sein, war der Ursprung.

Angekommen sind die beiden in Franken. Der Freund in Nürnberg. Dort hatte er sich als  Friseur selbständig gemacht.
Mein Vater nicht weit entfernt im Marktflecken Roßtal, Landkreis Fürth, wo
er Arbeit bei einer Bäckerei fand. Mit einem Handkarren und per pedes fuhr er Brot und Mehl aus.
Die Inhaberin war die Patin meiner späteren Mutter.

Es folgte eine Anstellung als Kranführer bei einer Baufirma, ebenfalls in Roßtal.
Später - im Wirtschaftsaufschwung der Sechziger - konnte er aufgrund seiner Ausbildung als Elektriker bei Fa. Grundig Fuß fassen, jahrzehntelang bis zu seiner Rente.
Mit Begeisterung und wirklich schon Fanatismus lebte und liebte er diesen Beruf.
Daher auch sein leidenschaftliches Hobby als Amateurfunker. Der Grundstock war ja schon vorhanden, da baute er sich seine Funkgeräte und Verstärker selbst, wobei der Grund natürlich auch der Geldmangel war.
"DJ7EV ruft ...", schallte es daher meist abends nach Feierabend in unserer im Erdgeschoss befindlichen kleinen 3-Zimmer-Wohnung; hinaus und weit konnte man es hören, wenn die Fenster geöffnet waren.
Das Morse-Alphabet gehörte damals auch dazu und ".... tut, tuuut, tutut ..." abwechselnd (lang, lang, kurz usw. alles Wörter und nicht nur Tuten).
Es faszinierte ihn, die Welt damit zu erreichen. Das Leuchten in seinen Augen, wenn er einen Funker aus Australien oder noch weiter Neuseeland, halt von der großen weiten Welt, an der Strippe hatte, sehe ich noch heute vor mir.

Es gab sogenannte QSL-Karten zum Austausch:



Seine Familie - Mutter, Bruder, Schwester  - blieben "drüben". Hüben und drüben wurde zum Schlagwort, wenn es um die OSTZONE ging.

Zu den Feiertagen, wie auch den Geburtstagen, schrieben wir uns Briefe und Karten. Die Päckchen an Weihnachten waren etwas Besonderes. Die Oma schickte trotz Geldmangels immer ein Päckchen. Für mich als Kind waren immer Spielsachen dabei, später sogar Schmuck, eine Porzellanpuppe, auch das Sandmännchen, das oben auf unserem damaligen ersten Fernseher seinen festen Platz hatte.

Besonders freuten sich die Verwandten, wenn es "die guten Sachen aus dem Westen" gab. Kaffee, Kakao, Waschmittel, Schokolade.  Nur Geld durften wir nicht versenden.
Einmal bekam ich einen Teddybären von meinem Onkel aus der Ostzone/Ost-Berlin. Überrascht war ich, als mein Vater zum Mediziner wurde. Er öffnete die Bauchnaht des Teddys, was mich sehr schmerzte.
Zuerst quoll eine Ladung Holzwolle heraus, dann aber wie von Zauberhand ein Geldschein.

Mich überraschte es. Meinen Vater nicht, denn das  war so gewollt. Die Päckchen wurden an der Zonengrenze alle geöffnet und Geld hätte da keine Chance gehabt, wäre beschlagnahmt worden.

Ja. Hier ende ich mal. Interessant war später in den Siebzigern unser erster Besuch in die Ostzone. Mit dem Zug sind wir hingefahren. Ein besonderes Erlebnis, die uniformierten Bewacher im Zug,  man durfte kein Wort sprechen ... ... das ist eine extra erlebnisreiche Geschichte.

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Die Öffnung der Zonengrenze oder auch Fall der Mauer war auch für uns ein großes Ereignis. Mein Vater hatte seine Verwandten endlich wiedergesehen. Jeder freute sich über die Freiheit.
Für mich persönlich war es dennoch so, dass eine gewisse, irgendwie unüberwindliche, Brücke vorhanden war.
Eine Brücke, welche sicher die Vergangenheit ausmachte, das Fremde, weil man sich doch nicht kannte.

Mein Vater wie sein Bruder sind inzwischen verstorben. Meine Großmutter lebt auch nicht mehr.

Die Erinnerung an die Päckchen - hüben wie drüben -, das Briefe- und Kartenschreiben sind für mich eine bleibend-schöne Erinnerung an die Zeiten der DDR.

- Persönliche Gedanken an die Wiedervereinigung von Ost und West.


Ein Familienfoto: Vater, Helmut Hoffmann; Mutter, Maria Margareta Frosch; Hochzeit 1954,  im fränkischen Vestenberg bei Ansbach; Kind (meine Wenigkeit). - Nostalgie pur!



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