Mittwoch, 2. April 2014

Nachdenklich. Ein Schrei. Hilfe.

Ein Schrei. Mittags. Es ist etwas mehr als 11 Uhr.
Sie schaut hinaus aus dem Küchenfenster.  Die Straße ist um diese Zeit eigentlich ruhig.
Selten läuft mal jemand vorbei. Autos fahren selten.
Vor dem Garagenhof liegt ein Mann. Älter. Korpulent. Gekrümt. Seitlich. Zusammengekauert. Rührt sich nicht.
Sie glaubt es nicht. Läuft hinaus um zu schauen, was mit ihm sei. Es kommt ein Mann hinzu. Dieser schaut zu dem Mann hinunter. Rührt er sich noch? Oder ... ist er am Ende ...
Sein Handy zieht er aus der Tasche. Ruft an.
Die Notrufnummer. Ein Notarzt ist bestellt.
Derweil vergehen viele Minuten.
Eine lange Zeit. Die vielleicht über Leben und Tod entscheidet.

Sie ist unschlüssig. Kennt sich nicht mit solchen Situationen aus. Schaut also unsicher zu. Auch der Mann schaut ratlos. Warten.
Warten bis Hilfe kommt.

Der Mann am Boden gibt ein Lebenszeichen von sich. Rührt sich. Bewegung des Armes.
Aufstehen kann er nicht. Der Hinzugekommene spricht mit ihm.
Sie beobachtet die Situation. Schlechtes Gewissen. Nicht helfen zu können. Aus Unwissen.
Aus Unkenntnis. Aus Überforderung mit einer neuen Situation.

Während des Wartens auf den Rettungswagen  kommt eine Gruppe mit Kindergartenkindern vorbei.
Vorne eine Kindergärtnerin. Inmitten die Zweierreihe mit Kindern. Hinten eine abschließende Kinderfrau.
Die Kinder schauen auf den liegenden Mann. Stellen Fragen. Die Kindergärtnerinnen wiegeln ab. Ist nicht schlimm. Der Mann schläft nur. Sind sie am Ende auch mit solchen Situationen überfordert?
Hätten sie lieber stehenbleiben sollen und den Kindern erklären, was mit dem Mann ist?

Solche Situationen machen nachdenklich. Nachdenklich auch deshalb, weil diese Kinder jetzt schon sehen, dass man wohl besser nichts macht als helfend einzugreifen, zumindest Interesse zeigen?
Sie lernen also schon von klein auf besser wegzuschauen.
Was für eine Welt ist das?
Einerseits überschäumende Hilfskampagnen für Hilfe in fremden Welten. Bei Nähe jedoch völliges Ignorieren ...

Sie fröstelt.
Inzwischen kommt ein Rettungswagen. Der Bewusstlose ist wieder mehr zu sich gekommen. War offensichtlich ein Schwächeanfall. Die Rettungsassistenten steigen aus und kümmern sich um den Mann. Ein Notarzt kommt hinzu. Sie versuchen ihn im Sitzen ins Fahrzeug zu bekommen. Ein Herzinfarkt.
Der Mann hatte nochmal Glück gehabt.


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