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Mittwoch, 1. April 2015

Sturm "Niklas" - Fahrrad-Horror

Gestern nachmittag wütete ein Orkan. Naja, Sturmböen gabs ja immer schon zuhauf. Unwettermeldungen genauso. Da wurde oft aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Schulen, Bahnhöfe geschlossen. Flüge abgesagt. Züge gestoppt.

Gestoppt wurde auch tatsächlich gestern nachmittag einiges. Die Meldungen in den NN lesen sich jetzt, so danach, wirklich schrecklich.

Für mich, gestern nachmittag, war der Schreck noch nicht so offensichtlich. Ich musste zur Arbeit. Und die war mit dem Auto genauso furchtbar als  ...
... MIT DEM RAD!?

Um kurz nach zwei (14 Uhr) schaute ich raus. Der Himmel zwar wolkenverhangen. Der Radiosender meldete Unwetterwarnungen, die ich jedoch ignorierte - weil: da wurde immer wieder alles aufgebauscht, stellte sich im nachhinein meist heraus.
Es lockerte kurz auf. Die Wolken zogen im Schnellzugtempo vorbei. Es pfiff und tobte  dennoch. Manchmal war es auch ruhig. Wie Stürme eben so sind.
Wir wohnen zwar im zweiten Stock. Doch über uns ist Flachdach. Da hört man den Wind ganz schön darüber hinwegpfeifen. Trotzdem ...
... ein spontaner Entschluss: Soll ich oder soll ich nicht? ... und ich setzte ihn in die Tat um.

Das Rad im Schuppen war schnell rausgeholt. Noch regnete es nicht. Die Regenhose hatte ich trotzdem angezogen, denn oft fängst schnell an.
Kurz guckte ich noch nach oben und schob das Rad auf den Radweg. Doch schon auf der Straße konnte ich nicht weiter. Eine Windböe riss mich beinahe vom Rad. Ich stieg ab und schob es.
Wieder guckte ich nach oben. Soll ich doch mit dem Auto fahren?

... nein, machte ich nicht. Vorne an der Katzwanger Hauptstraße angekommen, pfiff mich die Windböe wieder an. Sibirienkälte, so ging es mir kurz durch den Sinn.
"Bin ich bekloppt, oder was mach ich da eigentlich?"

Mein Denken waren die langen Staus und dass ich mit dem Rad einfach trotzdem oft schneller bin. Und fuhr weiter.
Vorne an der Frankenstraße dann packte mich der Wind. Ich stieg wieder ab.
"Sollte ich doch wieder umkehren?"

Keine Ahnung warum. Vorwärts ging nicht. Rückwärts auch nicht.
Kurz stellte ich mich im Bushäuschen unter und schaute gen Himmel. Die schwarzgrauen Wolken rasten dahin. Der Sturm pfiff. Es regnete, nein hagelte. Irgendwas Hartes, Weißes, war darinnen. Es brasselte mir ins Gesicht.  Die dicke Jacke war schon durchnässt. Auch die darübergezogene Regenhose nützte nichts.

Da stand ich nun. Der Regen war noch schlimm. Der Sturm ließ kurz nach. Schnell stieg ich jetzt kurzentschlossen doch wieder auf mein Rad. Vorwärts war auch nicht schlimmer als wieder zurück. Halbe Strecke hatte ich ja schon. Halbe Stunde normalerweise und ich war da.

Normalerweise. Heute, an diesem Nachmittag, jedoch nicht!
Ich schob mein Rad über die Fußgängerampel. Auf die andere Straßenseite. Eine Windböe riss  mich beinahe um. Trotzdem sagte ich mir, vorwärts war genauso schlimm wie rückwärts und fuhr deshalb nach vorne. Zum Ziel - Arbeit.

Der Horror schlechthin, den ich da erlebte. Der Regen,  wohl mit Hagel vermischt, brasselte mir ins Gesicht. Der Stau auf der Frankenstraße war genauso schlimm.
Über die Kreuzung Dianaplatz gefahren, stellte ich mit Blick auf die Uhrzeit am Bushaltepunkt fest, dass ich sogar noch früher dran war als sonst?!

Ich war überrascht. Und merkte, wie man gefühlsmäßig Sekunden zu Stunden mutieren kann, dann  nämlich, wenn man in einer schlimmen Situation ist. Sich anstrengt und plagt und man das Gefühl nicht los wird, dass es nicht vorwärts geht.

Doch. Es ging vorwärts. Die halbe Stunde war fast um. Ich war fast an meinem Ziel. Ich kam sogar noch fünf Minuten früher als sonst an. Ich staunte nicht schlecht.

Natürlich. Wie es oft so ist. Wenn man dann angekommen ist, verziehen sich die Wolken und wie durch ein Wunder scheint die Sonne. .... eigentlich UNGLAUBLICH!

Wenn ich jedoch vorher die Schreckensmeldungen in den NN gelesen hätte, wäre das Rad garantiert im  Schuppen geblieben.
Ich hatte wohl wieder mal einen Schutzengel dabei. Gottseidank! ...  kann ich da nur sagen.
Bäume hätten umstürzen können. Lastwagen umkippen, Hausdächer herunterfliegen ... Radfahrer ...

... oh mein Gott ...